22.04.2021

„WER ANTISEMITISMUS INS ABSEITS STELLT, HAT MEHR GEWONNEN ALS EIN SPIEL“

Autor / Quelle: NFV/FFor

Den organisierten Sport in Deutschland nachhaltig für Antisemitismus zu sensibilisieren und mit Lösungsvorschlägen zu stärken – das ist das Ziel des Modellprojektes „Zusammen 1 – für das, was uns verbindet“, das zu Wochenbeginn bundesweit von Makkabi Deutschland, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf gestartet wurde. Zu den Partnern des Projektes zählt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). „Wer Antisemitismus ins Abseits stellt, hat im Fußball viel mehr gewonnen als ein Spiel“, erklärte NFV-Präsident Günter Distelrath in seiner Eigenschaft als DFB-Vize für Qualifizierung und Integration bei der Projektvorstellung.

In Distelraths DFB-Aufgabenbereich fällt auch das Thema „Anti-Diskriminierung“. „Wer ausgrenzt und diffamiert, tritt die Werte des Fußballs mit Füßen und hat in unserer Fußballfamilie, von denen jüdische Fußballerinnen und Fußballer ein Teil sind, nichts verloren“, stellte der NFV-Präsident heraus. Um den Antisemitismus zu bekämpfen, sei jeder Einzelne gefordert. „Wir dürfen nicht nur aufstehen, um Tore zu feiern. Wir müssen gemeinsam aufstehen, wo immer uns Antisemitismus begegnet. Das gilt für Fangesänge genauso wie für dumme Sprüche im Vereinsheim und letztlich: für jede Situation des Alltags. Für antisemitisches Verhalten darf es keinen Spielraum geben, sondern einzig und allein die Rote Karte!“

Wie sehr im Kampf gegen den Antisemitismus auf deutschen Sportplätzen Handlungsbedarf besteht, zeigt die sozialwissenschaftliche Studie „Zwischen Akzeptanz und Anfeindung“, die Teil des Projekts ist und deren Ergebnisse am selben Tag vorgestellt wurden. 39 Prozent aller Makkabi-Sportler, dem mehr als 5.500 Mitglieder in 39 Ortsvereinen angehören, haben mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt, 47 Prozent von ihnen nahmen in den vergangenen fünf Jahren einen Anstieg an antisemitischen Vorfällen im Sport wahr und sogar 51 Prozent haben zumindest einmal einen antisemitischen Vorfall gegen andere Makkabi-Mitglieder mitbekommen.  

Zu den antisemitischen Vorfällen gehörten Beschimpfungen („Drecksjuden“, „Die Scheiß-Juden haben den Schiedsrichter bezahlt“), die Absage eines anderen Vereins für ein Testspiel mit der Begründung „Wir spielen nicht gegen Juden“ oder sogar Tritte und Schläge. „Die vorliegende Studie zeigt, dass wir in unserem Kampf gegen Antisemitismus nicht nachlassen dürfen und noch mehr machen müssen. Einen richtigen Ansatz haben wir gefunden mit der Installierung von Anlaufstellen für Gewalt- und Diskriminierungsvorfällen in allen 21 Landesverbänden des DFB. Mit diesen Anlaufstellen stellen wir die Weichen für eine Struktur, in der Diskriminierung, also auch Antisemitismus, nachhaltig begegnet werden kann“, sagte Distelrath. Weitere Aktivitäten des DFB in der Bekämpfung von Antisemitismus seien die Verleihung des Julius-Hirsch-Preises (seit 2005), die jährliche Israelreise der U 18-Nationalmannschaft mit dem Besuch der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem oder der NIE WIEDER-Aktionstag, dem Erinnerungstag im deutschen Fußball, der an Spieltagen rund um den 27. Januar, dem Jahrestag der Auschwitz-Befreiung, stattfindet.

Als jüngstes Beispiel des DFB-Engagements führte Distelrath die unter dem Titel „Im Abseits. Jüdische Schicksale im deutschen Fußball“ konzipierte Wanderausstellung des Deutschen Fußballmuseums auf, in der die Lebensgeschichten von elf jüdischen Fußballspielern vorgestellt werden, die in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur Opfer des NS-Terrors wurden und nach dem Holocaust in Vergessenheit gerieten. „Die Inhalte der Ausstellung werden nach Ende der allgemeinen Corona-Beschränkungen mit begleitenden Beiträgen landesweit in Schulen und Bildungseinrichtungen zu sehen sein“, berichtete der DFB-Vizepräsident, der auch auf die in der Studie angesprochene Dunkelziffer an Vorfällen antisemitischen Verhaltens einging. „Die Dunkelziffer muss beleuchtet werden und jeder Fall ans Licht gebracht werden!“

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Seite zuletzt aktualisiert am: 06.05.2021

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