29.05.2020

Lingener Linienrichter berichtet von seinem ersten Geisterspiel

Autor / Quelle: KHHa/FFor

Stefan Zielsdorf bei der Partie VfL Osnabrück gegen Hannover 96

 

Nach mehr als zwei Monaten Corona-Pause rollt seit Mitte Mai wieder der Ball in der 1. und 2. Bundesliga. Die Deutsche Fußball Liga hat für den Neustart ein detailliertes Konzept für die Sicherheit und die Hygiene ausgearbeitet. Es gibt reichlich Punkte zu beachten, die auch für Stefan Zielsdorf (im Foto rechts vor der Zweitligapartie Ingolstadt – Nürnberg 2018), den ranghöchsten Schiedsrichter-Assistenten des Emslandes gelten.

 

Der 30-jährige hatte in der Samstag-Begegnung VfL Osnabrück gegen Hannover 96 (2:4) seinen ersten Einsatz an der Seitenlinie unter dem auferlegten Hygiene-Konzept der DFL. „Das war schon ein beklemmendes Gefühl in den Kabinen und auf dem Platz. Sehr viel ist völlig neu für uns, und das alles ohne jegliche Praxis nach so langer Pause“, erklärt Zielsdorf. „Auch die Tage vor dem Spiel verliefen völlig anders als sonst“.

Zwei Coronatests im Vorfeld

Am Sonntag vor dem Spiel bekam der für der für die SpVgg. Hülsen-Westerloh Tätige vom Vorsitzenden der DFB-Schiedsrichter-Kommission Lutz Michael Fröhlich die nicht öffentliche Mitteilung über seinen wahrscheinlichen Einsatz in Osnabrück. Wahrscheinlich und intern, da alle Unparteiischen vor dem Restart zwei Coronatests machen müssen, danach nur noch den Test am Vortag eines Spiels.

„Da meine beiden in Osnabrück durchgeführten Tests von Mittwoch und Freitag negativ waren, wurde meine Ansetzung am Samstag früh vom DFB offiziell veröffentlicht“, erklärt der Lehrer vom Gymnasium Sögel mit den Fächern Mathematik und Physik. „Als Niedersachse werde ich grundsätzlich nicht zu einem Zweitligaspiel mit Beteiligung eines NFV-Vereins eingesetzt. Aufgrund der Pandemie werden davon jetzt Ausnahmen gemacht“. Auch reisen die Unparteiischen nun getrennt und erst am Spieltag an.

Plötzlich fehlt die Maske

Vor dem Anpfiff sollen auch Schutzmasken getragen und Abstandsregeln eingehalten werden. „Da stehe ich im Tunnel, um wie üblich die die Spieler zu kontrollieren und stelle plötzlich fest, dass meine Maske fehlt“, berichtet Zielsdorf von dieser Neuerung. Die mit zwei Knöpfen für Vibration und Ton ausgestatteten Funkfahnen für die beiden Linienrichter werden vom Schiedsrichter mitgebracht und vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeit desinfiziert.

Zum Geschehen am Platz erklärt Zielsdorf: „Zu Spielbeginn an der Linie ist man wie immer sehr fokussiert. Doch schnell fährt der Puls runter und ohne Zuschauer ist es nicht so stressig wie sonst. Auch bei Entscheidungen ist der Puls merklich entspannter. Nach dem direkten Gang zum Waschbecken während der Halbzeit muss zunächst Schweiß und Atmung minimiert werden, bevor man sich unter Mundschutz mit den Kollegen bespricht“.

Traum von der 1. Bundesliga

Stefan Zielsdorf ist in Haselünne geboren und hat seinen Wohnsitz in Lingen. Als Schiedsrichterassistent  ist er seit 2016 ungefähr 14 Partien pro Saison in der 2. Bundesliga und dem DFB-Pokal und zudem noch bis zu acht Partien als Springer in der 3. Liga tätig. Ebenfalls häufig steht der Pädagoge als Schiedsrichter in der Regionalliga Nord auf dem Platz.

Mit Blick in die Zukunft erklärt Zielsdorf: „In der 1. Bundesliga als Linienrichter dabei zu sein, wäre absolut traumhaft, alles weiter danach totaler Wahnsinn“. Gemeint ist damit international bei den Senioren. „Die Leistungsdichte ist sehr groß, es gehört auch Glück dazu“. Bei einem U18-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden sowie der U17-Partie Deutschland gegen Israel war er als Schiedsrichterassistent tätig. Als Schiedsrichter leitete er das U16-Länderspiel Niederlande gegen Italien.

„Riesen-Highlights sind ausverkaufte Zweitligaspiele in Hamburg beim HSV oder am Millerntor. Das sind richtig geile Partien: "Fans gehen mit, Stimmung top, einfach Atmosphäre pur“, erklärt Zielsdorf begeistert. „Wir Schieds- und Linienrichter leben von Emotionen und wollen diese aufsaugen“.

 

 

 

 

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Seite zuletzt aktualisiert am: 08.07.2020

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